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Ein Seelsorger mit Leib und Seele

Kategorie: Allgemeines Veröffentlicht: 10. Dezember 2020

Dr. Franz Gasteiger wird 80

Wer einmal mit ihm zu tun hatte, wird sich an ihn erinnern. Und das nicht (nur) wegen seines markanten Barts, sondern weil er einem das Gefühl vermittelt: Das ist ein Seelsorger, der mit beiden Beinen im Leben und in der Realität steht.

Geboren wurde Franz Gasteiger am 29. November 1940 in Niederbayern, wo er auch aufgewachsen ist, und sein Berufsweg war alles andere als geradlinig, Nach der Priesterweihe 1966 in Passau war er Kaplan in Fürstenstein, danach Diözesankaplan der Christlichen Arbeiterjugend und anschließend Landespräses der Katholischen Jugend in den bayerischen Diözesen. 1981 ging er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Pastoraltheologie an die Universität Regensburg, wo der inzwischen 50jährige im Jahr 1991 promovierte.

Nach zwölf Jahren Flughafenseelsorge am neuen Münchner Flughafen und fünf Jahren Seelsorge für beide Erdinger Altenheime wartete der wohlverdiente Ruhestand. Der währte allerdings nur kurz, denn schon bald folgte ein Jahr als priesterlicher Leiter in Eitting und 2012 übernahm er für drei Jahre die Leitung des Pfarrverbands Neuching/Ottenhofen.

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Dr. Franz Gasteiger – ein lebensnaher Seelsorger

Seit 2015 ist er nun in Pension, doch nach wie vor hilft er - ganz offiziell - in seinem ehemaligen Pfarrverband, am Flughafen und in den Erdinger Altenheimen aus.

Was sind für Franz Gasteiger die wichtigsten Stationen seines Berufslebens? Da nennt er erst einmal die Zeit in der Jugendarbeit. „Ich habe damals schon erlebt, wie sich junge Leute mit kirchlichem Leben nicht mehr identifizieren, auch wenn man glaubt, es sei anders“ erinnert er sich. „Das war für mich teilweise eine große theologische Herausforderung.“ Auch die Jahre in den Altenheimen waren für ihn eine neue Erfahrung, denn „die Fähigkeit zum Verdrängen von begrenzter Lebenszeit, von Sterben und Tod“ hatte er nicht erwartet.

Als wichtigste Station seiner beruflichen Laufbahn sieht er jedoch die Aufgabe als Pfarrer am Flughafen München. „Als ich davon erfuhr, wusste ich, DAS ist meine Stelle“ sagt er im Rückblick, „es ist ein so ungewöhnliches Betätigungsfeld, das man als Pfarrer normalerweise nicht hat.“ Die Frage „was tut ein Pfarrer am Flughafen?“ beantwortet er ohne Zögern: „Er tut dort nichts anderes, als was er sonst tut: sich um Menschen kümmern, dort zu sein, wo die Menschen sind,“ dies allerdings oft mit weltweiter Vernetzung. Häufig war er am Flughafen mit dem Tod konfrontiert, sei es, um Rückreisende von einem Todesfall zuhause zu informieren, oder Angehörigen zu sagen, dass jemand auf der Reise verstarb, oder die Frau zu betreuen, deren Bruder in Paris beim Absturz der Concorde verunglückt war. Es gab zahlreiche außergewöhnliche Situationen, wie z.B. die Erstkommunionfeier der Kinder der Bavarian International School in der Flughafenkapelle, die von einem Bombenalarm unterbrochen wurde. Da dessen Dauer nicht abzusehen war, halfen alle zusammen und schleppten kurzerhand Stühle und Altartisch hinaus auf die Wiese, wo der Gottesdienst fortgesetzt wurde. Nicht alles war spektakulär, es gab Taufen, Hochzeiten, Gedenk- und normale Sonntagsgottesdienste und viele, viele Gespräche mit Reisenden, Beschäftigten und Menschen, die am Flughafen gestrandet waren. Noch heute bitten ihn Paare oder Familien, die ihn bereits als Flughafenseelsorger kannten, eine Hochzeit, eine Taufe, eine Beerdigung zu übernehmen.

Zum Geburtstag hatte sich Franz Gasteiger von seinen Gratulanten gewünscht, „an diesem Tag einmal fest an mich zu denken,“ denn er ist davon überzeugt, dass gute Gedanken nicht ohne Wirkung bleiben. Der „Seelsorger mit Leib und Seele“, wie er sich selbst bezeichnet, zweifelt nicht daran, dass die Menschen zu ihm kommen, weil sie spüren, „hier ist ein lebensnaher Mensch.“

Der Oberdinger Kurier gratuliert nachträglich zum runden Geburtstag und wünscht noch viele gesunde und segensreiche Jahre.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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