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Schwaigermoos – ein Ort wird nicht vergessen

Kategorie: Allgemeines Veröffentlicht: 12. November 2021

Waltraud Franzspeck stellt Gräber- und Sterbebildchronik vor

Geht man zu einer Beerdigung, nimmt man oft ein Sterbebild mit, das dann zuhause in einer Schublade verschwindet. Diese Erfahrung machte auch Waltraud Franzspeck. Allerdings befanden sich in ihrer Sammlung viele Sterbebildern von Menschen aus einem Ort, den es seit Jahrzehnten nicht mehr gibt, weil er dem Flughafenbau weichen musste: die Andenken an Frauen und Männer aus dem Schwaigermoos. „Warum nicht diese Sterbebilder einem größeren Kreis zugänglich machen?“ fragte sie sich. Gesagt, getan. Am 11. November konnte Waltraud Franzspeck nun ein umfangreiches Buch präsentieren, in dem Bilder und Daten über die letzten Ruhestätten von verstorbenen Schwaigermöslern gesammelt waren.

Doch ehe es so weit war, war viel Arbeit erforderlich. Eigentlich fing alles schon damit an, dass 2016 die Chronik herausgegeben wurde, in der Fotos, Details und Beschreibungen der Schwaigermooser Anwesen zusammengestellt waren. Waltraud Franzspeck war damals Mitautorin. Das Interesse daran war überwältigend, wie sich im überfüllten Bürgersaal in Niederding bei der offiziellen Vorstellung zeigte. Viele Schwaigermösler hatten zwar nach dem Wegzug woanders eine neue Heimat gefunden, doch die Verbundenheit zum Schwaigermoos war und ist noch immer stark. Das sah man auch bei den „Möslertreffen“ in Niederding, wo sich ehemalige Nachbarn und Freunde aus Kindertagen nach Jahrzehnten – oft unter Freudentränen - wiedersahen.

Zurück zu den Sterbebildern. „Warum also nicht die Chronik ergänzen bzw. einen neuen Band auflegen?“ Es brauchte etwas Motivation sowohl von Seiten ihres Ehemannes Johann, der sie nicht nur ermunterte, sondern sehr unterstützte, als auch vom Oberdinger Bürgermeister Bernhard Mücke, der anregte, doch ein „richtiges“ Buch aus dieser Sammlung zu machen.

Rund vier Jahre lang waren Waltraud und Johann Franzspeck damit beschäftigt, die Gräber der Angehörigen von insgesamt 42 Familien aus dem Schwaigermoos aufzusuchen und zu fotografieren. Ihr Weg führte sie in die Landkreise Altötting und Dachau, Erding und Mühldorf, vom Waldfriedhof in München bis nach Mainburg, an den Chiemsee und zu den umliegenden Friedhöfen wie z.B. Oberding, Ismaning, Hallbergmoos. „Das waren immer unsere Sonntagsausflüge“ schmunzelt Waltraud Franzspeck. Viel Unterstützung gab es auch von ehemaligen Schwaigermöslern, die ihr zahlreiche teils sehr alte Sterbebilder und Unterlagen überließen.

Herausgekommen ist ein sehr beeindruckendes Buch, auf das Waltraud Franzspeck mit Recht stolz sein kann. Für jeden Verstorbenen ist ein Kapitel vorhanden, das mit den Lebens- und Sterbedaten beginnt, danach folgen Fotos von Grab und Sterbebild. Um die Chronik bei weiteren Sterbefällen ergänzen zu können, gibt es für jede Familie noch ein zusätzliches leeres Blatt.

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Offizielle Vorstellung der Gräber- und Sterbebilderchronik: (v.li) Archivpfleger Gerhard Niklaus, Johann und Waltraud Franzspeck, Bürgermeister Bernhard Mücke

Am 11. November präsentierten Waltraud und Johann Franzspeck die Gräber und Sterbebilderchronik der Öffentlichkeit. Das Buch kann zum Preis von 35 Euro sowohl im Rathaus der Gemeinde Oberding als auch bei der Familie Franzspeck in Hallbergmoos (Tel. 0811-3939) erworben werden.

Gleichzeitig mit der Präsentation des Buches übergab Waltraud Franzspeck noch ein Samttuch, das anlässlich der Vorstellung der Orts-Chronik im Jahr 2016 angefertigt wurde, dazu einen Film über diese Veranstaltung sowie digitale Unterlagen der beiden Chroniken

Bürgermeister Bernhard Mücke bedankte sich sehr herzlich bei dem Ehepaar Franzspeck. „Der geleistete Zeitaufwand ist unbezahlbar“, so der Gemeindechef, er versprach jedoch, „wenn Corona vorbei ist, werden wir eine entsprechende Würdigung auf jeden Fall nachholen.“

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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