lesen-sie-auch-andere-ortszeitungenechinger-echoneufahrner-echohaarer-echoherrschinger-spiegelmooskurier

Ohne Krimi geht die Mimi…

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 12. Mai 2018

Mordermittler Josef Wilfling berichtet über Mord und Totschlag

Dass es im wahren Leben anders zugeht als im Krimi, machte Josef Wilfling gleich zu Beginn klar. Wilfling, 22 Jahre lang Ermittler bei der Münchner Mordkommission, hat es sich nach seiner Pensionierung zur Aufgabe gemacht, mit Klischees aufzuräumen. „Die Realität ist brutaler als die Fiktion“, sagt er, verspricht für diesen Abend aber „es darf auch gelacht werden.“

„Ausverkauft“ stand an der Tür der Oberdinger Gemeindebibliothek. Mehr als 60 Gäste wollten einen Blick hinter die Kulissen der Ermittlung von Mord und Totschlag werfen. Sehr anschaulich erzählte Josef Wilfling, der während seiner Tätigkeit bei der Mordkommission  insgesamt 1211 Tötungsdelikten zu bearbeiten hatte, von Fällen „mit allen Facetten, Tätertypen, Tötungsarten“, bei denen er als Ermittler an der Aufklärung beteiligt war. Darunter waren auch die Morde an so bekannten Opfern wie Walter Sedlmayr und Rudolph Moshammer. Er vergleicht seine Arbeit mit der des Kommissars im Krimi. „In der Wirklichkeit gibt es keinen einsamen Ermittler, der die Fälle im Alleingang löst. Es gibt nur Teamarbeit, jeder hat seine Aufgabe und es gibt genaue Vorschriften.“

wilfling lesung bib 2

So seltsam es klingen mag, aber die Mordarten haben sich im Laufe der Zeit verändert, seiner Meinung nach auch durch die besseren Nachweismöglichkeiten. „Gift ist aus der Mode gekommen,“ behauptet er mit einem Augenzwinkern. „Hauptmordwaffe ist das Messer und in vielen Fällen sogar nur ein Küchenmesser.“

Zwei wichtige Errungenschaften erleichtern heute die Arbeit der Kriminalpolizei, so Wilfling, die elektronische Erfassung und Speicherung von Fingerabdrücken und vor allem der DNA-Vergleich. Hierzu kann er zahlreiche Beispiele aufzählen, bei denen nach Jahren – Mord verjährt bekanntlich nicht – Fälle gelöst werden konnten. „Wir hatten in einem Jahr 130 Prozent Aufklärungsquote“ erzählt er zur Erheiterung des Publikums. Das kam deshalb zustande, weil durch die erneute Bearbeitung von Altfällen in einem Jahr mehr Fälle aufgeklärt werden konnten als begangen wurden. Als Beispiel nennt er die Aufdeckung eines Mordes durch den Fingerabdruck an einem Whiskyglas. Fingerabdruck und Auffindungsort des Glases hatten nur scheinbar nichts miteinander zu tun, durch den Computerabgleich kam man dabei jedoch einem Serienmörder auf die Spur, der jahrelang ältere Damen umgebracht hatte.

wilfling lesung bib 1

Josef Wilfling berichtet über Mord und Totschlag und seine Arbeit als Ermittler bei der Mordkommission München

Mörder – was sind das für Menschen? fragt man sich. Eine Antwort von mehreren ist für Josef Wilfling die Tatsache, dass sich das Böse im menschlichen Nahbereich abspielt. „Die Gründe sind so alt wie die Menschheit: Habgier, Rache, Eifersucht, Hass…“ Je näher sich die Menschen stehen, desto eher kann seiner Erfahrung nach etwas passieren: „Es beginnt mit Rosamunde Pilcher und mit dem ‚Tatort‘ endet es“ vergleicht er und ergänzt „Die Ehemänner sind am gefährlichsten!“ Wobei er lacht, weil er schon weiß, dass er mit dieser Bemerkung bedeutungsvolle Blicke bei den anwesenden Paaren auslöst.

Wilflings Fazit aus 22 Jahren Umgang mit Mord und Totschlag: „Was am Ende bleibt, sind Narben, Leid und Verzweiflung bei vielen Menschen, die direkt oder indirekt betroffen sind.“ Zwar kann nicht jeder Mord aufgeklärt werden, aber „kein Mörder kann sicher sein, dass er nicht eines Tages doch noch entdeckt wird. Und ständig mit dieser Angst zu leben, ist auch eine Strafe.“

Und als dann am Ende, wie schon zu Beginn, erneut ganz leise das Lied von Mimi erklingt, die ohne Krimi nie ins Bett gehen will, spürt man doch ein wenig die Erleichterung der Gäste, sich nach so vielen beklemmenden Details bei Häppchen und kalten Getränken wieder über ganz normale Dinge unterhalten zu können.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok