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„Es war selm in Nazareth hint...“

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 17. Dezember 2018

Lesung der „Heiligen Nacht“ von Ludwig Thoma in der Kirche St. Georg Oberding

Jeder kennt die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium. Schon unzählige Male wurde sie nacherzählt, oftmals neu interpretiert oder ausgeschmückt. Vor mehr als 100 Jahren schrieb Ludwig Thoma seine eigene Weihnachtsgeschichte, die „Heilige Nacht“, mitten im Ersten Weltkrieg. Diese Geschichte ist eine Geschichte ganz für sich selbst. Biblische Szenen sind in einen bäuerlich-dörflichen Alltag übertragen. Die Sprache ist stellenweise eigentümlich, denn viele der Wörter kennt man nicht mehr im heutigen Sprachgebrauch. Thoma selbst bezeichnete es seinerzeit als Lenggrieser Dialekt. Was heute noch Fragen aufwirft, denn den am Tegernsee heimischen Thoma verband eigentlich nichts mit Lenggries. Im Text finden sich aber auch Tiroler Einflüsse. Wie dem auch sei, das Vorlesen der „Heiligen Nacht“ ist auch für Kenner eine mehr als anspruchsvolle Aufgabe.

Am zweiten Adventssonntag hatte sich Doris Lex in der voll besetzten Kirche St. Georg in Oberding dieser Aufgabe gestellt und sie mit Bravour gemeistert! Fast schon spüren konnte man die Not des biblischen Paares Maria und Josef, das den beschwerlichen Weg von Nazareth nach Betlehem auf sich nehmen musste und an den hartherzigen und selbstsüchtigen Zeitgenossen schier verzweifelte.

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Lex verstand es, die ergreifende Dichtung durch die richtige Betonung und gezielt gesetzten Pausen authentisch wirken zu lassen. Zwischen den Lesungen sorgte der Moosinninger Dreigesang – bestehend aus Christina Hackl, Gerda Hugl und Rita Obendorfner – musikalisch für die passende Stimmung. Begleitet wurden sie dabei von Lisi Ostermeier an der Zither und Katharina Nußrainer an der Harfe, die auch mit einigen Solo-Stücken begeisterte. Den Anfang machte Antonia Träger am Flügelhorn. Mit klaren und anmutigen Tönen durchbrach das Horn die Stille im Gotteshaus.

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Und just in dem Moment als Doris Lex die Textzeilen von der Geburt Jesu vorlas, erklang wie aus dem Nichts ganz zart und leise der Andachtsjodler. Einige Mitglieder des Oberdinger Kirchenchors (Marianne Hartshauser, Erna Schöttl, Johannes Baumann, Josef Pointner, Hans-Joachim Magura sowie Robert Schrädobler am Akkordeon) untermalten mit dieser exzellent getimten Einlage diesen bedeutenden Moment der Geburt so anrührend, dass manchem dabei ein wohliger Schauer über den Rücken lief. Ganz passend dazu auch Thomas Dichtung: „Und Engelstimmen wundafei´, de klingan drei´.“

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Am Ende der Lesung dankte Anton Nußrainer den Mitwirkenden, allen voran Doris Lex. „Die Nervosität hat mir einige Nächte lang den Schlaf geraubt“, verriet Lex, als ihr von Nußrainer ein Blumenstrauß überreicht wurde. Noch einmal stimmte der Kirchenchor den Andachtsjodler an und das gesamte Publikum folgte der Einladung zum Mitsingen.

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Organisiert wurde die Veranstaltung vom Pfarrgemeinderat Oberding. Der gesamte Erlös wird krebskranken Kindern gespendet. Im Bürgerhaus verköstigte die KLJB-Gruppe die Gäste anschließend mit Bratwürstel und Glühwein – genau das richtige zum Aufwärmen. Obwohl Thoma in seiner „Heiligen Nacht“ gegen die Kälte noch eine ganz andere Empfehlung hat: „Jetzt sollt ma'r an Äpfischnaps hamm. Derselbige richtet oan z'samm.«

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Für Sie berichtete Christine Hofer.

 

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