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„Desweng verdank ma Gott dem Herrn des scheene Niedadeang“

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 01. Februar 2019

Kabarett-Abend mit Julian Wittmann im Bürgersaal Niederding

Sein Programm ist weder politisch, noch sozialkritisch oder gar literarisch. Dafür ist es aber hundertprozentig eines, und zwar saukomisch! Die Fröhlichen Niederding hatten zu einem Kabarett-Abend mit Julian Wittmann geladen, und die Eintrittskarten gingen weg wie warme Semmeln. „I bin glei erschrocka, dass ihr sovui für de Karten zoid habt´s“, begrüßt Wittmann sein Publikum, „aber Gott sei Dank is do ja no a Essn mit dabei.“ Doch der Kabarettist muss sich überhaupt nicht unter Wert verkaufen, denn von der ersten Minute an hat er im Niederdinger Bürgersaal die Lacher auf seiner Seite.

 

 

Kabarett Wittmann Niedg. Bild2

Von der ersten Minute an überzeugte Wittmann die Zuschauer im voll besetzten Bürgersaal mit besten bayrischem Humor.

„Raubullad“ – so heißt sein Programm – ist für Nichtbayern sicherlich erklärungsbedürftig. Eigentlich gibt es für diesen Begriff gleich zwei Bedeutungen. Zum einen beschreibt „raubullad“ jemanden, der recht ungestüm und derb ist. Zum anderen – und das passt hier wie die Faust aufs Auge – wird so auch eine ungezähmte, lockige Haarpracht bezeichnet. Und gerade die lässt den talentierten Lengdorfer so wunderbar verplant wirken, als würde alles auf der Bühne ganz spontan und zufällig passieren. Vielleicht ist es aber tatsächlich so. Denn als die Mini-Mundharmonika partout nicht im Nackenhalter bleiben will, spannt er einfach kurzerhand Florian Huber als Assistenten ein. Wittmann ist ein richtiger Allrounder. Die Musik zu seinen Liedern („normalerweise hob i a ganzes Orchester dabei“) macht er selbst. Sowas nennt man wohl Multitasking. Er singt, spielt Gitarre, steuert mit dem Pedal die passenden Beats dazu und hat im Nackenhalter meist noch ein weiteres Instrument wie eine Mundharmonika oder ein Kazoo stecken. Mit so einem Kazoo – also einem kleinen Membranophon - lassen sich übrigens hervorragend die Motorengeräusche von Autos nachahmen. Jedoch nicht von allen Autos. „Sie fahrn tatsächlich a E-Auto?“, fragt Wittmann Bürgermeister Mücke. „Des is a irgendwie bläd fürn Gemeinderat, wenn ma an Bürgermoasta gor ned kemma head...“, resümiert der Spaßmacher. Das E-Auto des Rathaus-Chefs ist an diesem Abend einige Male das Thema, ein echter „Running Gag“ sozusagen.

Kabarett Wittmann Niedg. Bild3

Florian Huber (links) wurde kurzerhand vom Künstler als Assistent eingespannt.

Immer wieder pickt sich der Solo-Künstler einzelnen Zuschauer heraus und baut sie geschickt ins Geschehen mit ein. So darf sich „da Helo“ (Helmut Perzl) über ein Geburtstagsständchen der ganz besonderen Art freuen. Und für Georg Ascher dichtet er sogar seinen Song „Da Sepp“ um auf „Da Schorsch oder das Weißbierglasl“.

Kabarett Wittmann Niedg. Bild6

Sowas lernt man nicht in der Musikschule! Julian Wittmann kann nicht nur während des „Bierflaschl Blues“ einen Schluck Bier zu sich nehmen, sondern auch mit der Flasche selbst die Saiten der Gitarre zum Klingen bringen.

Für die Niederdinger hat Wittmann ein ganz besonderes Schmankerl im Gepäck. In einem extra für diesen Abend verfassten Liedstück wird der Frage nachgegangen, wie die Ortschaft zu ihrem Namen kam. Die Historiker werden mit dieser Version zwar nicht so ganz einverstanden sein, aber Wittmann´s Erklärung ist nicht nur humorvoll, sondern auch überirdisch. So wütete seinerzeit die Pest im Erdinger Moos. Und der Herrgott persönlich kam, um den Menschen zu helfen:

„Gott is lang im Moos draußt blim, und hat dort die Pest vertriem.
Da war dem Herrn – so´s Testament – nach an Feieromndgetränk.
Er blickt umher und sieht im Tal, an frisch gebauten Bürgersaal.
Kann von dort aus froh´s Gelächter hern, im scheena Niedadeang.
Er nimmt sei Kutt´n und sei Gwand und seine beiden Fiaß in d´Hand,
und sitzt kurz drauf beim Abendmahl, im Niederdinger Bürgersaal.
....
Dem Herrgott so schreibt die Legende, gefiel es dort echt ohne Ende,
und so sprach der Heilige Lord: „Wie heißt denn dieser schöne Ort?“
De Niedadeanger schaun verlorn, denn an Nama ham´s no koan.
....
Da Flo, da Schützen-Kommandant, hat Gott in seinem Rausch erkannt,
Und duat des durch die Straßen plärrn, durchs scheene Niedadeang.
Drauf strömen alle aufeinmal, zum neu erbauten Bürgersaal.
Sogar die Schützen ham den Weg gefunden, alle etwas angetrunken,
um dort Gott, dem Herrn, zu danken. Und um im Stehen nicht zu wanken,
geschah´s dass sich im Ortes Kern, alle Leid niedadean.
Doch da Herrgott sprach darauf: „Niedadeanga steht´s olle auf!
Denn i werd bald wiederkehrn, in des scheene Niedadeang“.
Und tausend Jahr später steh ma da, und wissen endlich wia´s wirklich war.
Desweng verdank ma Gott dem Herrn des scheene Niedadeang.“


So oder so ähnlich hat sich das also mit der göttlichen Namensfindung damals zugetragen. Und um was geht es sonst noch in seinen Liedern, die Titel wie „Rausch geh naus“, „S Bayernliad“ oder „Bierflaschl Blues“ tragen? Es geht um Bayern, ums Feiern und ums lustig Sei. Aber hin und wieder hört man auch ruhigere, nachdenkliche Töne. In einem Stück singt Wittmann beispielsweise vom Leben, angefangen von der Geburt bis hin zum letztem Atemzug. Dabei geht es um die Frage, ob die eingeschlagenen Wege und die getroffenen Entscheidungen auch immer die richtigen waren. Diese Frage muss wohl jeder für sich beantworten. Aber an diesen „Omnd mit Julian Wittmann“ mit dabei gewesen zu sein war definitiv eine goldrichtige Entscheidung!

Kabarett Wittmann Niedg. Bild5

Der Niederdinger Schützenverein „Die Fröhlichen“ war ein hervorragender Gastgeber und sorgte bestens für das leibliche Wohl der Gäste.

Für Sie berichtete Christine Hofer.

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