Torfstechen – wie war das damals eigentlich?

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„1275 Jahre Deang“ – Torfstechen als Blick in die Vergangenheit. Die drei „Zeitzeugen“ Sepp Pointner (im Torfgraben), Erni Sandtner-Lampert (2. v. re) und Sigrid Leopold (2. v. li)

Erinnerungen an Kindheit und Jugend im Moos

Am 20. Juli fand im Rahmen von „1275 Jahre Deang“ eine Veranstaltung statt, die mit Vorführungen, alten Fotos und Berichten an die Zeit erinnerte, als im Moos noch Torf gestochen wurde. Vorbereitung, Organisation und Durchführung dieser Reise in die Vergangenheit lagen bei Johannes Sandtner und beim KV Oberding. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher waren gekommen, die einen zum Zuschauen, viele andere aber auch, um eigene Erinnerungen an Kindheit und Jugend aufzufrischen. Sepp Pointner, Erni Sandtner-Lampert und Sigrid Leopold waren bei dieser Veranstaltung dabei. Die drei wissen aus eigener Erfahrung, wie es damals war und nutzten später ein gemütliches Beisammensein zum Austausch von Erinnerungen.

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Torfstechen ist harte Arbeit
Sepp Pointner aus Oberding erzählt, dass immer im zeitigen Frühjahr gestochen wurde, damit der Torf über den Sommer trocknen konnte. Doch nicht nur deshalb, sondern auch, weil nach Ostern die Feldarbeit begann, da blieb dann für das Torfstechen nicht mehr so viel Zeit übrig. Die ganze Familie – Eltern und Schwester – war dabei im Einsatz. Der Sepp war damals ein kräftiger junger Mann, er schaffte am Tag rund 10.000 Stück Torf. Die Frauen hatten meistens die Aufgabe, den Torf auf den Torfkarren aufzuladen und zur Torfwiese zu bringen, wo alles nach einem ganz bestimmten System gestapelt wurde, damit viel Luft an die einzelnen Stücke kam. War die obere Schicht trocken, wurde umgestapelt und die nächste Schicht konnte trocknen.
Die getrockneten Torfstücke wurden anschließend in der Torfhütte aufgeschichtet. Diese Hütten hatte an allen Seiten offene Stellen, so konnte die Luft zirkulieren und der Torf nachtrocknen. Im Herbst und Winter lagerte er dann auf dem Hof im Schuppen und diente zum Heizen.
„Die Arbeit war mittelschwer“ sagt Sepp Pointner. Mittags wurde meistens miteinander an der Torfhütte Brotzeit gemacht. Gemütliche Stunden nach der Arbeit waren dort allerdings nicht vorgesehen, denn daheim wartete die Stallarbeit. Trotzdem, „zwischendurch war scho a bissl a Gaudi“ erinnert er sich mit einem Schmunzeln, „insbesondere bei den Jüngeren.“

Das Moos als Kindheitserinnerung
Erni Sandtner-Lampert, die jetzt in Markt Schwaben wohnt, hat ebenfalls ganz persönliche Erinnerungen an diese Zeit. Sie musste als Kind mithelfen, „nach der Schule und in den Ferien“. Als kleines Mädchen konnte sie noch nicht so viel schaffen, aber später dann musste auch sie den Torf auf- und zum Trocknen umschichten. Sie weiß noch, wie lästig im Sommer die vielen Bremsen waren, wenn es feucht und warm war. Auch in ihrer Familie waren alle am Torfstechen beteiligt: Der Vater hat gestochen, die Mutter und zwei Tanten, die ebenfalls auf dem Hof wohnten, schichteten auf, eine weitere Tante führte daheim den Kramerladen und kochte für alle. Das Mithelfen beim Torfabbau hat der Erni gut gefallen, „das Moos war für uns wie ein Abenteuerspielplatz“ und auch heute noch liebt sie diese Landschaft sehr, „die schwarze Erde, die Birken…“ und fährt gerne mit dem Radl durchs Moos.

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Mit dem Vater im Moos unterwegs
Sigrid Leopold lebt in Erding. Sie ist die Tochter von Siegfried Ried, der von 1939 bis 1965 als Hauptlehrer in Oberding angestellt war und bestimmt vielen der älteren Oberdinger Bürgerinnen und Bürgern noch ein Begriff ist. Vier Klassen waren jeweils zusammen, die 1. bis 4. und die 5. bis 8. Hauptlehrer Ried war ein großer Naturliebhaber und nahm regelmäßig die eine oder andere seiner Schulklassen und auch seine eigenen Kinder auf Ausflüge ins Moos mit. Die Schulkinder waren begeistert, wenn es hieß: „So, jetzt gemma as Moos ausse!“ Vorher hatte er bereits einen Platz ausgesucht, wo er dann seinen Schülerinnen und Schülern alles erklärte, „bis ins kleinste Detail“ sagt seine Tochter Sigrid, die oft dabei sein durfte. Siegfried Ried wusste nicht nur alles über das Moos, er kannte sich auch bestens in der dortigen Vogelwelt aus und mancher, der damals dabei war, kann noch heute den Ruf des Kuckucks nachmachen, genauso, wie ihn der Hauptlehrer Ried vorgemacht hat.
Im Jahr 1962 kam er mit einer Schulklasse sogar in dem BR-Film „Barock im Erdinger Land“ vor, als Sepp Pointner und dessen Schwester Monika den Kindern zeigten, wie Torf gestochen wird.

Schulausflug ins Moos: Hauptlehrer Siegfried Ried erklärt und Sepp Pointner und seine Schwester zeigen, wie man den Torf sticht

Für Sie berichtete Maria Schultz.
Fotos mit freundlicher Unterstützung von Reinhard Heuer

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