Tag der Offenen Tür an den Bayerischen Energietagen im Wasserkraftwerk EW2 Schwaig

Kategorie: Veranstaltungen

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Franz Schweiger gibt Interessierten Einblicke in die Geschichte und den heutigen Anforderungen des Familienunternehmens.

Wenn alles den Bach runtergeht, entsteht Strom

Julia und Isabella Deischl genießen mit Papa Markus einen Blick aus luftigen Höhen über das Wasserkraftwerk EW2 in Schwaig. Markus ist hier technischer Angestellter und kann seinen Töchtern die besondere Aussicht aus rund 20 Meter Höhe über das Werk von Fritz und Cousin Franz Schweiger bis hin zum Flughafen und Freising bieten. Es ist zwar eng und wackelig im Arbeitskorb des Teleskoparms des technischen Wartungsfahrzeugs, doch für Julia (10) und Isabella (7) scheint Höhenangst ein Fremdwort zu sein. Kaum auf dem Boden angelangt, wollen sie direkt wieder abheben: „Noch einmal, bitte!“ Im Rahmen der Bayerischen Energietage „Energiewende. Hier. Jetzt.“ sind auch die Türen des E-Werk Schweiger geöffnet: „Wir machen das jedes Jahr, denn wir wollen ein bisschen transparent machen, was bei uns eigentlich passiert“, sagt Betreiber Franz Schweiger.

Politischer Rückenwind für grüne Kraft
Genau darum geht es in der Aktionswoche, einer Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie aus dem Jahr 2020. Seit 2023 beteiligen sich bayernweit Unternehmen, Kommunen und Organisationen mit verschiedenen Events, die sich rund um das Thema „Energiewende“ drehen und es für jedermann verständlich machen. Speziell Wasser spielt in Bayern eine wichtige Rolle, betont unter anderen die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner (CSU), in der Broschüre „Wasserkraft in Bayern“ von der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern. Der Freistaat verdanke seine „wirtschaftliche Entwicklung zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts der Wasserkraft“. Bis heute habe die Wasserkraftnutzung „einen wesentlichen Anteil an der Energieversorgung Bayerns aus erneuerbarer Energie“ zur zuverlässigen und klimaschonenden Stromerzeugung.

Kraftwerk in der dezentralen Energieversorgung wichtig
„Im gesamten süddeutschen Raum, wie hier im sehr flachen Erdinger Moos, das wir spitzbübisch „ich sehe heute, wer morgen kommt“ beschreiben, fließen viele Gewässer. Wasserkraft ist also dauerhaft da. Betreiber eines Werks sind weder auf Wind noch auf Sonne angewiesen“, erklärt Franz Schweiger. Das Tolle an einem kleinen, dezentralen Wasserwerk sei der ununterbrochene Antrieb der Turbinen: „8760 Stunden im Jahr CO2-neutrale Energie. Halt, es sind nur 8750, denn zehn Stunden sind fürs Warten und zum Reparieren vorgesehen“, ergänzt Schweiger schmunzelnd. Das E-Werk betreibt fünf Wasserkraftwerke, die umwelt- und ressourcenschonendem Strom für etwa 1700 Durchschnittshaushalte erzeugen. Bis Mitte der 1980-er Jahre gehörte auch das nicht mehr existierende Franzheim zu den Abnehmern, verrät ein Schild unter Leitungen an der Außenseite des Gebäudes: „Dort sitzen nur noch Schwalben und andere Vögel. Aus nostalgischen Gründen wollen wir sie nicht runterzwicken.“

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Vom Mahlbetrieb zur modernen Einspeisung
Franz Schweiger zeigt im EW2 einer Gruppe historische Bilder des Familienunternehmens, das sein Brot bereits seit 120 Jahren mit Wasser verdient. „Einen Stromlieferungsvertrag vom Urgroßvater mit der Gemeinde Oberding datiert auf das Jahr 1906. Damals war es eine Mühle“, erzählt Franz Schweiger. Später war es Großvater Albert, der im Zuge der Elektrifizierung das Unternehmen maßgeblich vorantrieb. Dort, wo heute Bierbänke für die Besucher des Aktionstages stehen, stand einst die große Halle einer Tuchfabrik. Albert interessierten die Webstühle jedoch wenig. Von Beginn an richtete er sein Augenmerk auf die Stromerzeugung und kaufte die Fabrik, die das Wasser zum Antrieb einer Turbine für die Webstühle nutzte, Anfang der 1930-er Jahre.

Schwere Zeiten nach dem Generationswechsel
Bis nach der Fertigstellung des vom Großvater geplanten EW3 1955 liefen die Geschäfte. Kurz vor Inbetriebnahme jedoch starb Albert: „Es waren hohe Kosten durch massive Bautätigkeiten entstanden. Gleichzeitig gab es das Problem, dass die Haushalte noch nicht wirklich elektrifiziert waren“, verdeutlicht Schweiger das Dilemma für die hinterbliebenen Söhne: „Mein Papa war jung, erst 28 Jahre und sein Bruder 32 Jahre alt und sie brauchten Geld von der Sparkasse.“ Ein schwieriges Unterfangen, zumal zu jener Zeit Landwirte noch wenig Strom benötigten und Industrie und Gewerbe kaum verbreitet waren. „Irgendwie haben sie es aber geschafft und Gott sei Dank ging dann die Elektrifizierung mit Kühlschränken und so weiter in den Haushalten los.“ Franz selbst stieg als 15-Jähriger aktiv in den Betrieb ein: „Ich bin in den Weihnachtsferien durch Ortschaften geradelt und hab bei den Leuten die Zähler abgelesen und so Geld verdient.“

Robuste Mechanismen trotzen dem Unrat
Das Herzstück im heutigen Werk ist die Turbine, zeigt Schweiger den Besuchern. Seit 1971 steht sie in einem Gebäudeteil direkt über der Dorfen. Techniker können die leise Anlage von einem Schaltpult steuern und regeln. Doch trotz ihrer 55 Jahre benötigt sie keine größere Aufmerksamkeit: „Der Aufwand ist sehr überschaubar. Wir müssen jedes Jahr rein, saubermachen und schmieren und dann läuft sie weiter. 2016 haben wir sie generalüberholt“, beschreibt Schweiger das nachhaltige Wunderwerk der Technik. Etwas weiter oberhalb des Bachverlaufs hängen Pflanzenrückstände in den überdimensionalen Zähnen einer mechanischen Rechenvorrichtung. Heute sind Rückstände meist organischen Ursprungs. Das Verhalten der Menschen hat sich in Sachen Umweltbewusstsein seit 20 Jahren sehr verbessert, beobachtet Schweiger: „Früher hing hier auch mal ein totes Huhn oder Schwein, das Bauern in den Bach geschmissen haben. Oder Siedlungsabfälle wie Plastikeimer oder Gießkannen. Aber einen typisch gemischten Mülleimer gibt es heute nicht mehr.“ Wenn allerdings der Heckenschnitt im Frühjahr oder Herbst ansteht, leiden einige offenbar unter vorübergehender Amnesie und verirren sich auf dem Weg zum Bauhof: „Für die ist es praktisch, alles im Bach zu entsorgen.“

Gelebte Visionen auf dem Weg in die Zukunft
„Der Schriftsteller Jules Verne hatte bereits 1874 die Vision, dass Wasser die Kohle der Zukunft sei und auf unabsehbare Zeit die Energieversorgung der Erde sichere. Heute ist das keine Science-Fiction-Utopie mehr, sondern Realität“, lautet das Zitat des ersten Vorsitzenden der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern Fritz Schweiger in der Broschüre „Wasserkraft in Bayern“. Bei den Schweigers ist mit Robert, Sohn eines weiteren Cousins, bereits die fünfte Generation der Familie am Start.

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Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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