Enthüllung der Infotafel auf dem Schulplatz in Aufkirchen: (v.li) Daniel Kleffel (LDBV-), Hauke Mescha (ADBV Erding), Bürgermeister Bernhard Mücke, Staatsminister Albert Füracker und der stellv. Landrat Hans Wiesmaier
Landvermessung in Bayern vor 225 Jahren
Der eine oder andere mag sich vielleicht schon mal gewundert haben, was dieses rund fünf Meter hohe Gebilde auf einem Acker in der Nähe des Aufkirchner Kraftwerks wohl zu bedeuten hat. Dahinter steht eine spannende Geschichte, die 225 Jahre alt ist. Neue Infotafeln klären nun darüber auf, was daran so bedeutend ist.
Bayern sollte vermessen werden, und da sich die Landschaft zwischen Unterföhring und Aufkirchen dank wenig Besiedlung und guter Übersichtlichkeit sehr gut als Ausgangstrecke eignete, wurde beschlossen, dort eine Grundlinie zu vermessen, anhand derer dann das bayerische Hauptdreiecksnetz aufgebaut werden sollte. Unter Leitung des französischen Obersts Charles Marie Rigobert Bonne wurde im Jahr 1801 die Basislinie anhand aneinandergereihter, jeweils fünf Meter langer Messlatten aus Holz vermessen. Die Entfernung zwischen den festgelegten Messpunkten in den beiden Ortschaften betrug genau 21.653,8 Meter und diente als Grundlage für die weitere systematische Vermessung Bayerns. Von den Endpunkten der Messlatten aus wurden weitere Punkte angepeilt und Winkel bestimmt. Aus der Basislänge und den gemessenen Winkeln ließen sich dann weitere Entfernungen berechnen. So entstand schrittweise ein großräumiges Vermessungsnetz in Bayern. Ein Jahr nach Abschluss der Messung wurden Start- und Endpunkt mit jeweils fünf Meter hohen Basispyramiden markiert, die an diese vermessungstechnische Pionierleistung erinnern sollten.
Karten, Daten und digitale Dienste der Bayerischen Vermessungsverwaltung liefern heutzutage verlässliche Grundlagen u.a. für Planungen, Grundstücksgrenzen, Bauvorhaben, Hochwasserschutz sowie Kartenanwendungen und Navigation. Wie sorgfältig und genau bereits vor mehr als 200 Jahren gemessen wurde, zeigt die Tatsache, dass die Abweichung im Vergleich zu modernen Aufzeichnungen lediglich drei Zentimeter pro Kilometer beträgt.
Anschauliche Informationstafeln in der Ortsmitte von Aufkirchen sowie auf dem Feldweg, der zur Basispyramide führt, geben nun Aufschluss über die Details. Im Rahmen eines kleinen Festakts wurden Ende Oktober die Tafeln enthüllt. Neben dem 1. Bürgermeister Bernhard Mücke und zahlreichen anderen Gästen aus Landkreis und Gemeinde waren auch der stellv. Landrat Hans Wiesmaier, Daniel Kleffel (Präsident des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung LDBV), Wolfgang Bauer (Abteilungsleiter LDBV), Hauke Mescha (Amtsleiter Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Erding ADBV) anwesend. Sogar Oberst Bonne war beim Festakt in Gestalt einer jungen „Nachfahrin“ vertreten. Dass auch der bayrische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker an der Enthüllung der Infotafeln in Aufkirchen und Unterföhring teilnahm, zeigt welch große Bedeutung dieser vermessungstechnischen Pionierleistung beigemessen wird. „Geschichte hat oft an unscheinbaren Orten stattgefunden“ sagte Minister Füracker in seiner Ansprache, wobei er dies für Aufkirchen allerdings mit der Feststellung „Aufkirchen ist ein schöner Ort“ gleich wieder etwas relativierte. Der Oberdinger Bürgermeister Bernhard Mücke begrüßte es, dass mit den Infotafeln ein Stück bayerischer Geschichte wieder stärker ins Bewusstsein gebracht wird. Zudem vermutet er, „dass die Vermesser bereits vor mehr als 200 Jahren wussten, wo ein guter Endpunkt ist, nämlich in Aufkirchen“. Er bezog sich in seinem Grußwort auch auf zahlreiche andere Bereiche des Lebens, denn „Vermessung schafft Orientierung.“ Eine kleine Gruppe machte sich im Anschluss an den Festakt auf, um die Basispyramide zu besichtigen. Und dort zeigte sich den überraschten Besuchern, dass sich in deren Inneren ein kleines Geheimnis verbirgt. Stahltüren auf der Vorder- bzw. Rückseite schützen einen Hohlraum, in dem sich ein großer Stein befindet. Unter diesem ist ein kleines Viereck eingelassen, das vermutlich die genaue Stelle für den Endpunkt der Messung darstellt.
Für Sie berichtete Maria Schultz.












