„Hilf mir, es selbst zu tun“
Seit diesem Kinderhausjahr gibt es im Haus der Kinder St. Korbinian einen eigenen Montessori-Bereich. Dort dürfen die Kinder in einer vorbereiteten Umgebung selbstständig entdecken, ausprobieren, lernen und wachsen. Begleitet werden sie dabei von Sandra, der Montessori-Pädagogin der Einrichtung, die den Kindern mit viel Einfühlungsvermögen zur Seite steht.
Die Montessori-Pädagogik geht auf die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori zurück. Im Mittelpunkt steht das Kind mit seinen ganz eigenen Fähigkeiten, Interessen und seinem individuellen Entwicklungstempo. Maria Montessori war überzeugt davon, dass Kinder von sich aus einen starken Lern- und Entdeckerdrang mitbringen. Sie brauchen vor allem eine Umgebung, in der sie selbst tätig werden dürfen und dabei Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln können.
Ein zentraler Gedanke der Montessori-Pädagogik lautet:
„Hilf mir, es selbst zu tun.“
Dieser Satz beschreibt sehr schön, worum es geht, und spiegelt sich auch im Leitbild des Hauses der Kinder St. Korbinian wider. Erwachsene sollen dem Kind nicht alles abnehmen, sondern ihm die Möglichkeit geben, selbst Erfahrungen zu sammeln. Das Kind darf Dinge eigenständig versuchen, Fehler machen, Lösungen finden und dabei erleben: Ich kann das!
Lernen mit Kopf, Herz und Hand
Im Montessori-Bereich finden die Kinder verschiedene Materialien, die gezielt auf ihre Entwicklungsbedürfnisse abgestimmt sind. Sie laden dazu ein, zu sortieren, zu vergleichen, zu zählen, Formen und Farben zu entdecken oder Bewegungsabläufe zu üben. Auch alltägliche Tätigkeiten wie Schütten, Falten, Knöpfen oder das Ordnen von Gegenständen haben ihren festen Platz.
Was für Erwachsene manchmal wie ein einfaches Spiel aussieht, ist für ein Kind eine wertvolle Lernerfahrung. Es trainiert dabei seine Konzentration, Feinmotorik, Wahrnehmung und Selbstständigkeit.
Dabei gilt: Nicht jedes Kind muss zur gleichen Zeit dasselbe tun. Jedes Kind darf seinen eigenen Interessen folgen und in seinem eigenen Tempo lernen. Sandra beobachtet die Kinder aufmerksam, nimmt ihre Bedürfnisse wahr und bietet ihnen passende Materialien und Impulse an. Sie begleitet, ermutigt und unterstützt, ohne den Kindern die Freude am eigenen Entdecken zu nehmen.
Eine Umgebung, die Selbstständigkeit ermöglicht
Ein wichtiger Bestandteil der Montessori-Pädagogik ist die sogenannte vorbereitete Umgebung. Materialien und Möbel sind so angeordnet, dass die Kinder möglichst vieles selbstständig erreichen und benutzen können. Alles hat seinen festen Platz. Dadurch entsteht Orientierung und zugleich die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen.
Die Kinder lernen dabei ganz nebenbei, Verantwortung zu übernehmen: Sie holen sich ein Material, arbeiten damit in Ruhe und räumen es anschließend wieder an seinen Platz zurück.
Diese kleinen Schritte im Kindergartenalltag können für die Entwicklung eines Kindes große Bedeutung haben. Selbstständigkeit stärkt das Selbstvertrauen und vermittelt die Erfahrung, dass die eigenen Fähigkeiten wertvoll sind.
Miteinander leben und voneinander lernen
Montessori-Pädagogik bedeutet jedoch keineswegs, dass jedes Kind nur für sich arbeitet. Im Gegenteil: Die Kinder erleben, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind. Sie nehmen Rücksicht aufeinander, warten, helfen sich gegenseitig und lernen, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen.
Gerade hier finden sich auch viele Gedanken wieder, die dem Haus der Kinder St. Korbinian als katholischer Kindertageseinrichtung besonders wichtig sind: Jeder Mensch ist einzigartig und wertvoll. Kinder sollen erfahren, dass sie angenommen sind, dass ihre Fähigkeiten gesehen werden und dass sie mit ihren Stärken und Schwächen ihren Platz in der Gemeinschaft haben.
Ein neuer Raum für kleine Entdecker
Mit dem Montessori-Bereich möchte das Haus der Kinder St. Korbinian den Kindern einen zusätzlichen Raum eröffnen, in dem sie selbstständig tätig sein, ihre Fähigkeiten entdecken und mit Freude lernen können.
In allen Gruppen des Hauses der Kinder St. Korbinian gibt es bereits seit zwei Jahren selbst entwickelte Montessori-Tabletts, die sich schon bei den Krippenkindern großer Beliebtheit erfreuen. Nun freut sich die Einrichtung, den Kindern zusätzlich einen eigenen Montessori-Bereich anbieten zu können.
Für Sie berichtete der Oberdinger Kurier.









